Blind in den Schrank gegriffen: EM-Fußballer im modischen Abseits

Etwa fünf Prozent der Männer sind farbenblind. Wenn man sich die Outfit-Kombinationen bei der EM ansieht, kommt es einem vor, als wären es zehnmal so viele. Während die Farben von Trikot, Hose, Unterziehkleidung und Stutzen im Turnier vorgeschrieben sind, können Schuhe und Torwarthandschuhe individuell ausgewählt werden. Ein Fehler – wie  vor allem weibliche Fußballfans immer wieder feststellen müssen.

Mit ihren Schuhen, die alle Farben des Regenbogens abdecken, wirken die „roten Teufel“ aus Belgien eher wie ein Haufen bunter Papageien. Während bei der Weltmeisterschaft 2014 noch Neongelb, Orange und Grün dominierten, sind bei diesem Turnier zwei- oder sogar dreifarbige Schuhe en vogue.

The Belgian team pose before the Group E soccer match of the UEFA EURO 2016 between Belgium and Italy at the Stade de Lyon in Lyon, France, 13 June 2016. Front ros (L-R): Laurent Ciman (23), Kevin De Bruyne, Radja Nainggolan, Eden Hazard, and Thomas Vermaelen. Second row (L-R): Toby Alderweireld, goalkeeper Thibaut Courtois, Romelu Lukaku, Axel Witsel, Marouane Fellaini and Jan Vertonghen. Photo: Uwe Anspach/dpa (RESTRICTIONS APPLY: For editorial news reporting purposes only. Not used for commercial or marketing purposes without prior written approval of UEFA. Images must appear as still images and must not emulate match action video footage. Photographs published in online publications (whether via the Internet or otherwise) shall have an interval of at least 20 seconds between the posting.) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit

Welcher Modedesigner ist bloß auf die Idee gekommen, grelles Gelb mit einem leuchtenden Pink oder Türkis zu kombinieren? Auf wilde Muster und Farbverläufe könnte aus ästhetischen Gründen verzichtet werden. Aber aus kommerziellen Gründen für die Werbefirmen natürlich nicht. Bei denen heißt es auffallen, um jeden Preis. Je mehr die Schuhe ins Auge springen und je öfter sie vertreten sind, desto eher werden sie gekauft, scheinen sie zu glauben. Da viele Fußballer bei den großen Sportartikelherstellern unter Vertrag stehen, mögen sie manchmal auch keine Wahl haben, was Farbe und Design der Schuhe angeht. Einem geschenkten Gaul kuckt man schließlich nicht ins Maul.

Im Spiel dienen sie natürlich dazu, den Gegner zu verwirren oder Augenkrebs bei ihm hervorzurufen. Eine schlaue Taktik hat sich der Italiener mit der Trikotnummer 17 überlegt. Im Spiel gegen Belgien trug er Schuhe in den Farben der „roten Teufel“.

Wenigstens hält sich bei vielen Schiedsrichtern und ihren Assistenten die Tradition der schwarzen Schuhe. Im Vergleich zu früher, als sie  grundlegend nur Schwarz trugen,  werden  allerdings auch ihre Trikots immer bunter.

Glück haben neben den Deutschen mit ihren Trikots und Hosen in Schwarz und Weiß auch  die Italiener sowie Isländer. Zu ihrer weiß-blauen Ausrüstung passt einfach  alles. Erholung für die  Augen. Warum tragen eigentlich einige Torhüter im Turnier, wie  Italiens Gianluigi Buffon,  zwei unterschiedlich farbige Handschuhe? Und dann auch noch einen in Gelb und einen in Rosa.

 

Sie  brauchen keine Hilfe, um links und rechts auseinander zu halten. Außerdem ist rechts ja immer da, wo der Daumen links ist – das weiß doch  jedes Kind. Ebenso auffällig wie Buffon ist die Nummer eins der Schweden gewesen. Andreas Isaksson hat  zweifarbige Torwarthandschuhe in Gelb-Pink und trägt dazu, um den Regenbogen zu komplettieren,  türkise Schuhe. Auch der belgische Keeper gibt sich farbenfroh. Er kombinierte zum grünen Trikot Handschuhe, die zur einen Hälfte pink und zur anderen Hälfte gelb sind. Das alles erinnert sehr an die farbenfrohen Trikots von Tim Wiese. Der hat allerdings ja kürzlich sein Trikot beerdigt und will nun als Wrestler ernst genommen werden.

Die Handschuhe von Manuel Neuer sind mit Grau und Gelb dagegen keine modische Erleuchtung. Aber unserer Nummer eins sei es verziehen, so lange er weiter so hält wie bisher. Er kann ja auch nichts dafür.

Das deutsche Team hat übrigens einen Kader von 30 Leuten, die sich um das  Wohl in jeder Form kümmern. Darunter ist keine einzige Frau. Nicht mal eine Köchin. Das ist in den anderen Mannschaften nicht anders. Den Teams fehlt eindeutig eine weibliche Begleitung. Oder die Erinnerung an Muttis schlaue Sprüche wie: „Grün und Blau schmückt die Sau“.

(Fotos: dpa)