Schweini schläft beim Borstenvieh

Bei großen Turnieren rücken nicht nur kuriose Fußball-Exoten in den Fokus (Österreich). Auch die Wissenschaft nutzt die gesteigerte Aufmerksamkeit gern und wendet ihre komplizierten Thesen auf das simple Spiel mit dem Ball an. Die Herren Professoren (weiblichen Wissenschaftler forschen offenbar lieber an Nebensächlichkeiten wie der Heilung von Krebs) wissen dadurch bereits jetzt, wer Europameister wird. Damit befreien sie uns bloß mit Halbwissen Gebildete von jener unsäglichen Spannung, die ein ungewisser Ausgang mit sich bringt.

Die beruhigende Nachricht zuerst: Deutschland wird Europameister – jedenfalls zu 15 Prozent. Das sagt jedenfalls Physiker Metin Tolan von der Technischen Universität Dortmund. Bei 24 Teilnehmern und einer durchschnittlichen Erfolgswahrscheinlichkeit von 4,2 Prozent ist das ein großartiges Ergebnis des Naturwissenschaftlers. Und auf die Meinung von Physikgenies hat man doch bereits in der Schule beim Sportunterricht besonders großen Wert gelegt.

Übrigens haben Mathematiker der Uni Frankfurt den Pokal ebenfalls den Deutschen angerechnet. Dort kommen die Wissenschaftler auf eine Siegwahrscheinlichkeit von exakt 14,39 Prozent vor Spanien (13,78) und England (11,01). Einbezogen haben die Experten Kriterien wie historische Ergebnisse, Fifa-Punkte oder den Mannschaftswert. Nicht eingerechnet wurden allerdings Sonnenstand, Windrichtung und die Elastizität von Gabor Kiralys Schlabberhose.

Einen ganz anderen Ansatz verfolgt Prof. Dr. Jürgen Udolph, der den Traum vieler Kinder lebt und dem Beruf des Onomastikers nachgeht („Wenn ich groß bin, will ich Lokomotivführer oder Onomastiker werden“). Für die wenigen von uns, die nicht des Altgriechischen mächtig sind: Der Mann ist Namensforscher. Als solcher hat der werte Herr Professor den Nachnamen Kroos aufs mittelniederdeutsche „krôs“ zurückgeführt. Das Wort bedeutet Kanne, Krug oder Trinkgefäß, was den Experten auf den naheliegenden Gedanken bringt, dass brasilienische Medien den Nationalspieler vor zwei Jahren „Garçon„, also Kellner, getauft hatten, weil er seinen Mitspielern so schöne Pässe servierte. Unter der Fühung von Löw, dem Löwen, und im Zusammenspiel mit Hummels (in der früheren Form „Hunbold“; hun = Hühne) und Gomez (vom althochdeutschen „gomo“ = Mann) sollte doch auf dem Weg zum Titel nichts mehr schiefgehen. Nur zum poetisch so wunderbaren Schweinsteiger, dessen Vorfahren sich womöglich die Behausung mit dem Borstenvieh geteilt hätten, fällt dem Namensforscher kein gescheiter Fußballbezug ein.

Tatsächlich gibt es Studien, die sogar praxisnahe Ergebnisse mit sich bringen. So hat der Verhaltensökonom Ulrich Schmidt vom Kieler Insitut für Weltherrschaft…Verzeihung…Weltwirtschaft ausgerechnet, dass beim Elfmeter der Torwart mit 55-prozentiger Wahrscheinlichkeit in das Eck hechtet, in dem der Ball beim Vorversuch nicht gelandet ist. Sprich: fünfmal rechts bringt den Sieg. Real Madrid hat’s im Champions League Finale vorgemacht. Es lohnt sich für die Nationalelf vielleicht also doch, spätestens vor der K.o.-Runde die ein oder andere wissenschaftliche Arbeit durchzublättern.

Patrick Buck

Patrick Buck

feierte seinen gößten sportlichen Erfolg in der Bunten Liga Oldenburg. 2005 wurde er dort Meister mit Dynamo Dobbenwiese.
Patrick Buck

Letzte Artikel von Patrick Buck (Alle anzeigen)